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Exzessiver Medienkonsum bei Adipositas Drucken

Es ist wissenschaftlich belegt, dass bei Jugendlichen Adipositas von passivem Lebensstil begünstigt und von körperlich aktivem Freizeitverhalten verhindert werden kann. Exzessiver Medienkonsum scheint ein Einflussfaktor von großer Bedeutung zu sein, dessen vielfältige Wirkmechanismen bezüglich Ätiologie, Aufrechterhaltung, Essverhalten und adipositasspezifischen Interventionen nur wenig untersucht sind.

Untersucht wurde das Medienkonsum-Verhalten bei 50 Patienten des Adipositas-Rehazentrums Insula (Durchschnittsalter: 16.5 Jahre; SD 3; mittlerer BMI: 41.8 kg/m2; SD 7.6). Die Ergebnisse einer Befragung über deren Verhalten vor Therapiebeginn wurden mit denen einer Kontrollgruppe (N = 50; Durchschnittsalter: 15,9; SD 1.6; mittlerer BMI: 21,9 kg/m2; SD 2,9) verglichen. Die Datenerfassung erfolgte mit einem Fragebogen zum Medienkonsum–Verhalten, in dem unter anderem die Anzahl der Stunden pro Tag vor dem PC und vor dem Fernseher getrennt erhoben wurden. Fragen zu vier der sechs Suchtkriterien des ICD-10 wurden gestellt, um zu untersuchen, wie potentiell suchtgefährdend die Probanden ihren Medienkonsum einschätzen.

Bei den Ergebnissen zeigt sich ein hoch signifikanter Unterschied (p< .001) in der Intensität und Qualität der Computer Nutzung zwischen Experimentalgruppe (32 h/w; SD 26.7) und Kontrollgruppe (16,1 h/w; SD10.3), wobei die Teilnehmer mit Adipositas auffallend (p=.013) mehr Freizeit vor dem Computer verbringen als die Kontrollgruppe. Interessant ist, dass dies jedoch nur für die Computer-Nutzung zutrifft, denn im Fernsehkonsum unterscheiden sich Experimental- und Kontrollgruppe nicht. Die Experimentalgruppe verbringt mehr Zeit vor dem Computer mit Chatten (p=.07) und trifft sich zudem signifikant weniger mit Freunden (p=.019) in der Freizeit. Weitere  Unterschiede zeigen sich im Essverhalten vor dem Fernseher (fettreiches Essen: p=.21; Obst: p= .004) oder vor dem Computer (fettreiches Essen: p=.002; Obst: p=.051), wobei Jugendliche mit Adipositas mehr fettreiche (deftige) Nahrung und weniger Obst konsumieren als ihre Kontrollgruppe.  
Bei den Suchtkriterien gab es keinen auffälligen Unterschied zwischen Experimental- und Kontrollgruppe. Die subjektiv empfundenen Abhängigkeitstendenzen entsprechen nicht dem tatsächlichen Zustand des Überkonsumierens.  

Jugendliche mit Adipositas verbringen wesentlich mehr Zeit vor dem Computer, speziell mit Chatten, und kommunizieren so über eine virtuelle Welt, statt sich mit Freunden zu treffen. Gleichzeitig schätzen sie aber ihren exzessiven Computerkonsum nicht als übermäßig oder problematisch ein. Dem Schritt der Verhaltensmodifikation muss, den Daten zufolge, das Schaffen einer Veränderungsmotivation vorausgehen. Dies kann nur dann gelingen, wenn den jugendlichen Adipösen ihr Problem des übermäßigen Medienkonsums als eine Ursache und aufrechterhaltende Bedingung ihrer Adipositas bewusst wird.